WILLKOMMEN IN NAHARIAH

STUDIENFAHRT UNSERES VEREINS NACH ISRAEL VON 23. 10. — 6. 11. 1971

WILLKOMMEN IN NAHARIAH

Als Israel nach seiner Staatsproklaoation im Jahre 1948 von Truppen der umliegenden arabischen Staaten angegriffen wurde, war Nahariya völlig von der Umwelt abgeschlossen. Ein Funkspruch soll Haifa erreicht haben: Wir kämpfen verzweifelt, doch wir halten durch !

Nahariya bleibt deutsch !

Vielleicht ist es nur eine Legende, aber eine Besonderheit der Hauptstadt des westlichen Galiläas wurde damit treffend geschildert:

Nahariya wurde 1935 von wenigen, des Hitlerregime gerade noch entkommenen Juden aus Deutschland besiedelt. Es liegt am Mittelmeer, nördlich von Haifa. Ein herrlicher weißer Sandstrand zieht sich kilometerweit hin. Ein Süßwasserschwimmbecken befindet sich direkt am Strand. Die Badesaison geht von April bis November, so daß auch der späte Besucher noch einmal den Sommer einfangen kann. Im Stadtinneren vermitteln saubere Häuschen mit liebevoll gepflegten Vergärten das Bild einer deutschen Kleinstadt.

Der Besucher aus Deutschland hat keine Sprachschwierigkeiten. Hier hat der Orient nicht einziehen können. Doch an der Peripherie brodelt es. Mit Macht dehnt sich die Stadt aus. Sie scheint aus den Nähten zu platzen. Moderne Wohnanlagen erheben sich. Immer größere Neubauten entstehen. Fabriken recken ihre Schornsteine in den Himmel.

Die deutsche Kleinstadtbeschaulichkeit hat hier ihr Ende. Ein südosteuropäischer Einschlag macht sich bemerkbar. Des Hebräische wird nicht mit deutschem Akzent gesprochen. Es herrscht eine andere Atmosphäre als im Stadtinneren. Doch schon in wenigen Jahren, bei der nächsten Generation, wird kaum noch festzustellen sein, woher die Vorfahren kamen. Und das ist gut so, denn wird es keine Bindestrich-Juden (deutsche-polnisch-
e-rumänische) mehr geben.

Die vielen alten Synagogen, oft nur Ruinen, erzählen ihre Geschichte. Der typische Bau ist unverkennbar. Einige sind wieder aufgebaut und man betet an der alten Stelle.

Man kann sich auf diesem geschichtsträchtigen Boden der Konfrontation mit der Vergangenheit kaum entziehen. Wo heute Nahariya steht, bauten die Phönizier einst Schiffs für König Salomon. Auf der Handelsstraße transportierte man das Holz der Cedern aus dem Libanon, das für den Bau des Tempels bestimmt war. Hier versuchten auch die Kreuzritter Fuß zu fassen. Die Burgruinen in der Nähe legen dafür Zeugnis ab.

Vor 400 Jahren war die Gegend von Türken bewohnt. Sie bauten eine steinerne Wasserleitung nach altem römischen Vorbild. Dieses stark lädierte Bauwerk wurde von den Siedlern vor über 30 Jahren wieder in Betrieb genommen. Es wurde so lange Wasser herangeführt, bis die moderne Anlage fertiggestellt war. Der Nähe von Nahariya befindet sich das Dorf Peki'in. Dort haben immer Juden gewohnt, auch in den letzten 2OOO Jahren. Berühmt ist die Familis Senati, die ihren Stammbaum bis zu der Zeit der jüdischen Könige zurück verfolgen kann. Sie leben immer noch dort und sprechen immer noch ihre alte Spreche: Hebraiech !

Tempelhof hat mehrere Partner. Nahariya ist einer der interessantesten.

Wir sind stolz darauf, mit Nahariya befreundet zu sein. Das darf aber keine Sache der Verwaltung bleiben, es muß zur Angelegenheit jedes Einzelnen werden. Möglichkeiten dazu gibt es viele. Wir werden oft dort zu Besuch sein.

Nicht nur als Touristen, sondern auch die Chance nutzend, Kontakte von Mensch zu Mensch herzustellen.

Viele Berliner haben dort schon Freunde gefunden, von der natürlichen Herzlichkeit dieser Menschen begeistert.

Klaus Scheurenberg